Herz­li­chen Glück­wunsch!

Am 12. Okto­ber 2018, dem 90. Geburts­tag des Alexandrow-Ensembles, hat­ten wir bei Sputnik/Ria Novos­ti Gele­gen­heit unse­re Inten­tio­nen zur Aus­stel­lung »Bot­schaf­ter des Frie­dens« in einem Inter­view dar­zu­le­gen. Inter­view und Foto: Paul Lin­ke (Sputnik/Ria Novos­ti)

»Kra­ni­che« in Ber­lin

Zur Eröff­nung der Aus­stel­lung am 27. Sep­tem­ber 2018 im Rus­si­schen Haus der Wis­sen­schaft und Kul­tur sang unser Freund Lexa A. Tho­mas das Lied »Kra­ni­che« aus dem Reper­toire des Alexandrow-Ensembles. Unse­re deut­sche Über­set­zung von »Zhu­rav­li« und eine eigens von Lexa pro­du­zier­te CD mit dem Ber­li­ner Tenor Paul Genz haben wir zum Dank und als klei­nen Geburts­tags­gruß an das Ensem­ble nach Mos­kau auf den Weg gege­ben. Für sei­nen musi­ka­li­schen Bei­trag bei der Aus­stel­lungs­er­öff­nung dan­ken wir Lexa sehr.

Das Alexandrow-Ensemble – Bot­schaf­ter des Frie­dens

Die Aus­stel­lung ist eröff­net!

Wir dan­ken sehr herz­lich Herrn Alex­an­der Avra­men­ko, dem stell­ver­tre­ten­den Direk­tor des Rus­si­schen Hau­ses für sei­ne herz­li­chen Wor­te. Alex­an­der Neu, dem ver­tei­di­gungs­po­li­ti­schen Spre­cher der Bun­des­tags­frak­ti­on der Par­tei Die Lin­ke, dan­ken wir für sei­ne ein­dring­li­che Rede und unse­rem Freund Lexa A. Tho­mas dan­ken wir ein­mal mehr für sei­nen Bei­stand und für sei­ne musi­ka­li­sche Inter­ven­ti­on – „Kra­ni­che“ – aus dem Reper­toire des Alexandrow-Ensembles. Das Restau­rant Athos sorg­te im Anschluss an die Eröff­nung für ein wun­der­ba­res rus­si­sches Ban­kett und Bian­ca Hocke betreu­te unse­re Gäs­te, wäh­rend Vol­ker Wein­hold das Gesche­hen mit dem Foto­ap­pa­rat im Bild fest­hielt. Unser ganz beson­de­rer Dank gilt Gud­run Krisch­ok, die das Pro­jekt von Sei­ten des Rus­si­schen Hau­ses nach Kräf­ten unter­stütz­te.

Nie zuvor gese­hen

Im welt­wei­ten Netz stie­ßen wir auf eine außer­ge­wöhn­li­che Rari­tät – eine Schel­lack­plat­te aus dem Jahr 1938 mit zwei Lie­dern des Alexandrow-Ensembles. Das wirk­lich Unge­wöhn­li­che dar­an ist die bei­der­seits far­bi­ge Gestal­tung, die die ver­schie­de­nen Waf­fen­gat­tun­gen der Roten Armee dar­stellt. Auf unse­re spon­ta­ne Anfra­ge gab es sofort eine freund­li­che Ant­wort und Vale­ry Ste­fa­no­vich aus Mos­kau sen­de­te uns Foto­gra­fi­en des kost­ba­ren Stü­ckes, die wir hier auf unse­rer Web­sei­te und auch in der Aus­stel­lung zei­gen dür­fen. Dafür dan­ken wir sehr herz­lich und sen­den bes­te Wün­sche nach Mos­kau!

Über das Meer in die Welt hin­aus

Das ers­te inter­na­tio­na­le Gast­spiel führt das Ensem­ble im Jahr 1937 zur Welt­aus­stel­lung nach Paris. Schon an Bord des Damp­fers Smol­ny gibt es ein Kon­zert auf hoher See. 175 Ensemble-Mitglieder spie­len für das Bord­per­so­nal und 45 Jour­na­lis­ten und aus­er­wähl­te Rei­se­ka­der. In Frank­reich ange­kom­men, gibt es am 9. Sep­tem­ber in Paris ein spek­ta­ku­lä­res Kon­zert vor 2.500 Hono­ra­tio­ren, hoch­ran­gi­gen Diplo­ma­ten und inter­na­tio­na­len Pres­se­ver­tre­tern im Salle Pleyel. An vier wei­te­ren Tagen begeis­tern die Sän­ger und Tän­zer das Pari­ser Publi­kum. Das Rot­ban­ner Ensem­ble wird mit einem »Grand Prix« der Welt­aus­stel­lung geehrt. Es folg­ten Kon­zer­te in Lil­le und Lyon.

Rendez-vous for Peace

Der kana­di­sche Kom­po­nist, Arran­geur und Pro­du­zent David Fos­ter nimmt am 7. Febru­ar 1987 den Titel »Ren­dez­vous For Peace – Love Lights The World« auf, bei dem er selbst mit dem Alexandrow-Chor im Duett singt. Der Titel wird als Vinyl-Single publi­ziert. Er ist die Auf­takt­me­lo­die für das gro­ße Rendez-vous ’87. Zwei Eishockey-Freundschaftsspiele der Nal­mann­schaft der UdSSR gegen ein All-Star-Team der nord­ame­ri­ka­ni­schen Pro­fi­li­ga NHL ste­hen in Que­bec, Kana­da, auf dem Pro­gramm. Am 11. Febru­ar gewin­nen die Kana­di­er 4:3. Zwei Tage spä­ter revan­chie­ren sich die Gäs­te mit einem 5:3-Sieg. Das Alex­an­d­row Ensem­ble gas­tiert noch eini­ge Wochen in Kana­da. Am 7. März 1987 wird ein Kon­zert in Van­cou­ver auf­ge­zeich­net und als Album »Live At Orphe­um« ver­öf­fent­licht.

Meinst du, die Rus­sen wol­len Krieg?

Am 12. April 1961 star­tet mit Wos­tok 1 zum ers­ten Mal ein Mensch ins All. Um 8.55 Uhr lan­det Juri Ale­xe­je­witsch Gaga­rin nach einer Erd­um­run­dung sicher auf hei­mat­li­chem Boden. Im Kampf der Sys­te­me sorgt die sowje­ti­sche Raum­fahrt mit die­sem Coup ein­mal mehr für inter­na­tio­na­les Pres­ti­ge. Der klei­ne Kos­mo­naut wird über Nacht zur Iko­ne einer neu­en Zeit. Ver­we­gen, kom­pe­tent und immer fröh­lich – so sieht er aus, der sozia­lis­ti­sche Mensch. Die Luft­fahrt­ge­sell­schaft Aero­flot publi­ziert eine Schall­plat­te mit vier Lie­dern des Alex­an­d­row Ensem­bles, die Gaga­rins Tri­umph gewid­met ist. »Meinst du, die Rus­sen wol­len Krieg?« ist das jüngs­te Werk des Dich­ters Jew­ge­ni Jew­tu­schen­ko. Edu­ard Kolo­ma­now­sky ver­tont das Poem. Das Alex­an­d­row Ensem­ble lie­fert damit ein musi­ka­li­sches Bekennt­nis zum Frie­den auf Erden und zur fried­li­chen Erobe­rung des Welt­alls.

Fried­lich ver­eint im Welt­all

Didier Maroua­ni zählt zu den Pio­nie­ren der elek­tro­ni­schen Pop­mu­sik. 1977 lan­det sei­ne Band SPACE mit ihrem ers­ten Album einen ech­ten Hit. »Magic Fly« treibt rund um den Erd­ball die Meschen auf die Tanz­flä­chen. Von Dezem­ber 1986 bis Juli 1987 pro­du­ziert Maroua­ni sein ambi­tio­nier­tes­tes Werk. Auf »Space Ope­ra« bringt der Fran­zo­se den Chor des Alex­an­d­row Ensem­bles (UdSSR) und den Havard Uni­ver­si­ty Glee Club Choir (USA) zusam­men. Um die Sym­bol­kraft die­ses inter­na­tio­na­len Pro­jek­tes noch zu stei­gern, star­tet die­se ers­te Oper für Chor­ge­sang und Syn­thes­hi­zer mit einer sowje­ti­schen Rake­te ins All. Auf der Raum­sta­ti­on MIR erlebt das neue Medi­um CD mit »Space Ope­ra« sei­ne Welt­all­pre­mie­re.

L’italiano

Im Febru­ar 1964 begibt sich das Alex­an­d­row Ensem­ble erst­mals auf Tour­nee nach Ita­li­en. Unter Arbei­tern, Intel­lek­tu­el­len, Kunst- und Kul­tur­schaf­fen ist in jenen Jah­ren ein kom­pro­miss­lo­ser Anti­fa­schis­mus in Ita­li­en fest eta­bliert und die kom­mu­nis­ti­sche Par­tei ist eine der stärks­ten in West­eu­ro­pa. Mit dem Alex­an­d­row Ensem­ble wer­den so immer auch die Sie­ger des II. Welt­krie­ges und die ver­meint­li­chen Sie­ger der Geschich­te gefei­ert. Die künst­le­ri­sche Akzep­tanz über­dau­ert den Zer­fall der Sowjet­uni­on und den Nie­der­gang der ita­lie­ni­schen Lin­ken. Im Jahr 2009 geht der Sän­ger Toto Cotug­no mit dem Ensem­ble in Russ­land auf Tour. Beim Fes­ti­val in San­re­mo tre­ten sie 2013 gemein­sam auf. Im Jahr 2016 hin­dern den ita­lie­ni­schen Sän­ger ander­wei­ti­ge Ver­pflich­tun­gen dar­an, mit dem Alex­an­d­row Ensem­ble die rus­si­schen Trup­pen in Syri­en zu besu­chen. Um so mehr ist er scho­ckiert, als er vom tra­gi­schen Unglück sei­ner Freun­de erfah­ren muss.


Alex­an­d­rows Meis­ter­stück

Mit Beginn des Kriegs­jah­res 1944 wur­de eine neue sowje­ti­sche Natio­nal­hym­ne ein­ge­führt. Die Kom­po­si­ti­on Alex­an­der Alex­an­d­rows basier­te auf der Hym­ne der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei, die bereits seit 1938 im Gebrauch war. Auf Wei­sung Josef Sta­lins adap­tier­te Alex­an­d­row das kraft­vol­le Werk. Der patrio­ti­sche Text von Ser­gej Mich­al­kow (19132009) und Gabri­el El-Registan (18991945) hul­dig­te nicht nur dem frei­en Wil­len der ver­ein­ten Völ­ker, son­dern auch Lenin, Sta­lin und der sieg­rei­chen Roten Armee. Erst 1977 wur­de Sta­lin durch eine über­ar­bei­te­te Text­fas­sung Mich­al­kows aus der Hym­ne getilgt. Mit dem Ende der Sowjet­uni­on wur­de 1991 auch die Natio­nal­hym­ne außer Dienst gestellt. Im Jahr 2001, in Wla­di­mir Putins ers­ter Amts­zeit, wur­de aus Alex­an­der Alex­an­d­rows Hym­ne der Sowjet­uni­on die Hym­ne der Rus­si­schen Föde­ra­ti­on. Ser­gej Mich­al­kow selbst pass­te den Text ein letz­tes Mal der neu­en Zeit an. Seit­her ver­traut die Rus­si­che Natio­nal­hym­ne auf Got­tes Bei­stand und nicht mehr auf Lenin, der den Weg erleuch­tet. Trotz all die­ser Wech­sel­fäl­le der Geschich­te blieb eines unver­än­dert – Alex­an­der Alex­an­d­rows Musik. Macht­voll, selbst­be­wusst und zutiefst emo­tio­nal reprä­sen­tiert sie die kul­tu­rel­le Iden­ti­tät einer gan­zen Nati­on. Seit dem Jahr 1944 ist die Hym­ne ein fes­ter Bestand­teil im Reper­toire des Alex­an­d­row Ensem­bles.

Ber­lin 1985

Am 19. Mai 1985 gab das Alex­an­d­row Ensem­ble ein wei­te­res Mal bei strah­len­dem Son­nen­schein vor 50.000 begeis­ter­ten Zuschau­ern ein Kon­zert in der his­to­ri­schen Mit­te Ber­lins. Wie schon im August 1948, wur­de auch dies­mal die Büh­ne vor dem Schau­spiel­haus errich­tet. Der Platz der Aka­de­mie (heu­te wie­der Gen­dar­men­markt) hat­te sich seit damals jedoch sehr ver­än­dert. Die letz­ten Rui­nen des Krie­ges waren rings­um ver­schwun­den. Das Schau­spiel­haus, der Deutsche- und der Fran­zö­si­sche Dom wur­den im Jahr zuvor nach lan­ger Rekon­struk­ti­on wie­der­öff­net. Das Alex­an­d­row Ensem­ble war noch immer für vie­le eine Attrak­ti­on, aber die »Tage der Sowje­ti­schen Kul­tur« hat­ten immer auch einen offi­zi­el­len Cha­rak­ter, waren staat­lich orga­ni­sier­te Unter­hal­tung, aller­dings durch einen Staat, von dem sich immer mehr Bür­ger inner­lich abwand­ten. Sowohl in der Sowjet­uni­on als auch in der DDR lag Ver­än­de­rung in der Luft. Als zwei Jah­re spä­ter erst­mals ein Kon­zert mit Bob Dyl­an im Trep­tower Park inse­riert wur­de, waren 81.000 Kar­ten im Hand­um­dre­hen aus­ver­kauft. Die eupho­ri­sche Men­ge muss­te lan­ge war­ten, bis end­lich ein übel­lau­ni­ger Sän­ger erschien und nach einem kur­zen, lust­lo­sen Pro­gramm wie­der gruß­los ver­schwand. Das Alex­an­d­row Ensem­ble wur­de 1985 ganz sicher nicht als pro­gres­si­ver Teil der Jugend­kul­tur wahr­ge­nom­men, aber das Publi­kum durf­te sicher sein, unter Boris Alex­an­d­rows Lei­tung mit­rei­ßen­de Künst­ler in Höchst­form zu erle­ben.

A pro­gram to win Ame­ri­can audi­en­ces

Am 12. Sep­tem­ber 1989 star­tet das Alex­an­drof Ensem­ble in New York eine Nordamerika-Tour. Neben Que­bec, Toront, Mont­re­al, Van­cou­ver und Otta­wa in Kana­da ste­hen erst­mals auch die gro­ßen Metro­po­len der USA auf dem Pro­gramm. In Washing­ton lässt es sich Prä­si­dent Geor­ge Bush nicht neh­men, die kul­tu­rel­len Bot­schaf­ter des Frie­dens per­sön­lich zu tref­fen. Es ist eine Zeit des Wan­dels. Der Kal­te Krieg scheint ein ver­söhn­li­ches Ende zu fin­den. In aller Welt wächst die Hoff­nun­gen, auf eine fried­li­che­re Welt. Mit der Spra­che der Musik, leis­tet das Alex­an­d­row Ensem­ble auch in die­ser gesell­schaft­li­chen Umbruchs­pha­se sei­nen Bei­trag zu gegen­sei­ti­ger Ver­stän­di­gung und Akzep­tanz.

Am Brenn­punkt des Zeit­ge­sche­hens

Das 20. Jahr­hun­dert ist geprägt von zwei ver­hee­ren­den Welt­krie­gen, revo­lu­tio­nä­ren Umwäl­zun­gen, dem Zusam­men­bruch der Kolo­ni­al­rei­che und nach­fol­gen­den Kon­flik­ten, in denen sich zwei poli­ti­sche Sys­te­me in unver­sön­li­chen Blö­cken gegen­über stan­den. Das Alex­an­d­row Ensem­ble hat die­se Front­li­nie immer wie­der über­wun­den. Die sowje­ti­schen Künst­ler waren auf bei­den Sei­ten des Eiser­nen Vor­hangs popu­lär. In geschichts­träch­ti­gen Momen­ten stan­den sie nicht nur auf der Büh­ne, son­dern oft genug auch mit­ten im poli­ti­schen Zeit­ge­sche­hen. Die­ses his­to­ri­sche Pres­se­fo­to zeigt Musi­ker des Ensem­bles bei einem Auf­tritt am 21.7.1947 vor hoch­ran­gi­gen US-amerikanischen und sowje­ti­schen Ver­hand­lungs­de­le­ga­tio­nen in Pjöng­jang, Korea.

Stil­les Geden­ken

Vor einem Jahr, am 25. Dezem­ber 2016, stürz­te eine rus­si­sches Flug­zeug kurz nach dem Start ins Schwar­ze Meer. Es gab kei­ne Über­le­ben­den. An Bord waren auch 64 Sän­ger, Tän­zer und Musi­ker des Alex­an­d­row Ensem­bles auf dem Weg zu einem Weih­nachts­kon­zert in Syri­en. Die­ses Unglück war eine Zäsur in der lan­gen Geschich­te des Ensem­bles. Wäh­rend Hun­dert­tau­sen­de in aller Welt die Toten betrau­er­ten, dar­un­ter Künst­ler­kol­le­gen wie Karel Gott, Mireil­le Mathieu, die Lenin­grad Cow­boys und der New Yor­ker Schil­ler Insti­tu­te Cho­rus, war die Bericht­erstat­tung in den west­li­chen Medi­en auf­fal­lend kühl und zuwei­len beschä­mend. Noch am glei­chen Abend wur­de der Schick­sals­schlag von der ARD-Tagesschau zu einer per­sön­li­chen Nie­der­la­ge Wla­di­mir Putins erklärt. Das fran­zö­si­sche Maga­zin »Char­lie Heb­do«, dem nach einem blu­ti­gen Anschlag selbst inter­na­tio­na­le Anteil­nah­me zu Teil gewor­den war, fand in der Tra­gö­die einen will­kom­me­nen Anlass, sei­nen bekann­ter­ma­ßen geschmack­lo­sen Humor noch ein­mal selbst zu unter­bie­ten.

Der hei­li­ge Krieg – Frie­den der Welt

Ernst Busch – Sän­ger, Schau­spie­ler und Regis­seur – war Zeit sei­nes Lebens ein poli­ti­scher Mensch – an der Sei­te der Roten Bri­ga­den in Spa­ni­en, im Exil nach 1933 und auch noch nach zwei­jäh­ri­ger Gestapo-Haft. In der DDR war er einer der Gro­ßen, eck­te an und mach­te schließ­lich mit ihr sei­nen Frie­den. Als Sän­ger poli­ti­scher Lie­der war er eine Instanz, hoch deko­riert und den­noch glaub­wür­dig durch sei­ne Bio­gra­phie. 1967 publi­zier­te er »Der hei­li­ge Krieg – Frie­den der Welt – Eine Chro­nik in Lie­dern, Bal­la­den und Kan­ta­ten aus der ers­ten Hälf­te des 20. Jahr­hun­derts«. Zum Gesang des Alex­an­d­row Ensem­bles rezi­tiert Ernst Busch mit sei­ner macht­vol­len Stim­me »Der Hei­li­ge Krieg« in deut­scher Fas­sung von Ste­phan Hermlin, jenes Lied von Alex­an­der Alex­an­d­row, dass zur Hym­ne des Sie­ges über den deut­schen Faschis­mus wur­de.

Tauch­sta­ti­on

Klaus Dol­din­ger hat mit sei­ner Titel­mu­sik zu Wolf­gang Peter­sens Film „Das Boot“ 1981 eine weit­hin bekann­te und unver­gess­li­che Film­mu­sik erschaf­fen. Weit­ge­hend unbe­kannt ist jedoch, dass das Alex­an­d­row Ensem­ble in die­sem Film einem popu­lä­ren, aber längst in Ver­ges­sen­heit gera­te­nem, iri­schen Lied wie­der neu­es Leben ein­ge­haucht hat. »It’s a long way to Tip­pera­ry«, geschrie­ben 1912 von Jack Judge, war eines der belieb­tes­ten Sol­da­ten­lie­der wäh­rend des 1. Welt­krie­ges. Das Ensem­ble fei­er­te damit bereits bei sei­nem ers­ten Gast­spiel in Lon­don, 1956, gro­ße Erfol­ge.

Songs For Free Men

Paul Robe­son, am 9.April 1898 als Sohn eines ehe­ma­li­gen Skla­ven gebo­ren, ist nicht nur als Sän­ger, Schau­spie­ler und spä­te­rer Men­tor Har­ry Bela­fon­tes bekannt, son­dern, durch die Kon­fron­ta­ti­on mit Ras­sen­dis­kri­mie­rung geprägt, auch als enga­gier­ter Bür­ger­recht­ler. Ant­wor­ten suchend, führ­te ihn sein Weg auch in die Sowjet­uni­on der 30iger Jah­re, die er fort­an mehr­fach besuch­te. Die Sym­pa­thie mit den Kom­mu­nis­ten bescher­te ihm in sei­nem Hei­mat­land USA wäh­rend der McCarthy-Ära Auf­tritts­ver­bo­te und den Ent­zug des Rei­se­pas­ses. Erst 1959 besuch­te er erneut die UdSSR und sang sich mit sei­ner unver­wech­sel­ba­ren Bass-Stimme und dem Lied „The Song About Mother­land“ in rus­si­scher Spra­che zusam­men mit dem Alexandrow-Ensemble in die Her­zen der Sowje­tür­ger. Das Lied hat­te er auf sei­nem Album „Songs For Free Men“ 1942 bei Colum­bia Records auf­ge­nom­men.

Dmi­tri Hvor­ostovs­ky – 16.10.195222.10.2017

Es gibt ver­schie­de­ne Wege zur Unsterb­lich­keit. Man kann einen Kome­ten nach sich benen­nen, oder Men­schen emo­tio­nal mit sei­nen künst­le­ri­schen Fähig­kei­ten berüh­ren und damit für immer einen Platz in ihren Her­zen fin­den. Dmi­tri Hvor­ostovs­ky ist das gelun­gen. Als Kos­mo­po­lit an den gro­ßen Opern­häu­sern die­ser Welt zu Hau­se, ist er sei­ner rus­si­schen Hei­mat treu geblie­ben. Und so betrau­ern Fans und Kol­le­gen rund um den Glo­bus den Mann mit der gro­ßen Stim­me, der viel zu früh, im Alter von 55 Jah­ren, an einem Hirn­tu­mor ver­stor­ben ist. Noch im Jah­re 2016 trat er zusam­men mit dem Alex­an­d­row Ensem­ble auf und sang das berühm­te Lied „Zhu­rav­li“ (Frenkel/Gamzatov). Ger­ne hät­ten wir ihn mit dem Alex­an­d­row Ensem­ble hier in Ber­lin zum Kon­zert begrüßt. Wir wer­den die­sen groß­ar­ti­gen Künst­ler in unse­rer Erin­ne­rung behal­ten.

Die Rus­sen kom­men!

Die Frank­fur­ter Kon­zert­agen­tur Lipp­mann + Rau hat Grö­ßen wie Jimi Hen­drix und die Rol­ling Stones nach Deutsch­land geholt. Im Jahr 1979 brach­ten sie das Alex­an­d­row Ensem­ble erst­mals auf die ande­re Sei­te des Eiser­nen Vor­hangs. Von März bis Mai gab es 27 Kon­zer­te in 24 Städ­ten (Ham­burg, Köln, Mün­chen, Saar­brü­cken, Frank­furt, Stutt­gart u.a.). Im 50. Jahr sei­nes Bestehens war die­se Tour­nee ein Mei­len­stein. Seite­her genießt das Ensem­ble in ganz Deutsch­land eine hohe künst­le­ri­sche Akzep­tanz beim kul­tu­rell inter­es­sier­ten Publi­kum. In der 46. Fol­ge von Rudi Carells „Am lau­fen­den Band“ prä­sen­tier­te sich das Künst­ler­kol­lek­tiv zudem mit einem kraft­vol­len, gut gelaun­ten Fern­seh­auf­tritt.


Tele­gramm von der Polar­sta­ti­on

Am 21. Mai 1937 brach­te ein Flug­zeug Iwan Papa­nin (Polar­for­scher), Jew­ge­ni Fjo­do­row (Meteo­ro­lo­ge), Pjotr Schirschow (Ozea­no­lo­ge) und Ernst Kren­kel (Fun­ker) in den nörd­li­chen Polar­raum. Auf einer gro­ßen Eis­schol­le errich­te­ten sie die For­schungs­sta­ti­on »Nord­pol 1«. In 274 Tagen drif­te­ten sie über 2.500 km in die Grön­land­see. Die­se Expe­di­ti­on, die ers­te ihrer Art, war ein wis­sen­schaft­li­ches Pres­ti­ge­pro­jekt der Sowjet­uni­on und wur­de auch von der inter­na­tio­na­len Pres­se mit Span­nung ver­folgt. Eine Aus­stel­lungs­ver­si­on von Papa­nins Drift­eis­sta­ti­on wur­de zur glei­chen Zeit in Frank­reich auf der Welt­aus­stel­lung prä­sen­tiert. Per Funk­te­le­gramm sen­de­ten die For­scher im Sep­tem­ber 1937 einen per­sön­li­chen Gruß nach Paris: »Nord­pol­sta­ti­on +++ Wir lie­gen in unse­ren Schlaf­sä­cken und hören im Radio das Kon­zert des Rot­ban­ner Ensem­bles in Paris. Wir sind über­glück­lich, ers­tens, weil wir die­se uns so lie­ben Klän­ge hören und sel­ber mit­sin­gen, und zwei­tens, weil wir die Begeis­te­rung des Publi­kums hören, erin­nern wir uns an die sen­sa­tio­nel­len Erfol­ge des Rot­ban­ner Ensem­bles. Wir hör­ten am Nord­pol den Applaus in Paris, die Rufe ‚Bra­vo!‘ und ‚Zuga­be!‘. Der enthu­si­as­ti­sche Emp­fang war wohl­ver­dient. Das Ensem­ble war glanz­voll in der Dar­bie­tung sei­ner bes­ten Lie­der. Ihr nörd­lichs­tes Publi­kum sen­det herz­li­che Grü­ße an das Ensem­ble und sei­nen Lei­ter, Genos­se Alex­an­d­row. Wir wün­schen Ihnen wei­ter­hin viel Erfolg bei der Demons­tra­ti­on unse­rer sowje­ti­schen Kunst.«

Hin­ter den Kulis­sen

Uni­for­men ver­mit­teln ein stren­ges Bild und ver­ra­ten wenig über die Men­schen, die in ihnen ste­cken. Einen lie­be­vol­len Blick hin­ter die Kulis­sen erlaub­te 2013 der pol­ni­sche Kanal Pol­s­ka Zbron­ja wäh­rend einer Gast­spiel­rei­se durch meh­re­re pol­ni­sche Städ­te. Zu sehen bekom­men wir jun­ge Män­ner in Jeans – Sän­ger mit freund­li­chen, zufrie­de­nen Gesich­tern bei der Pro­be, Tän­zer in Trai­nings­klei­dung, Tech­ni­ker beim Sound­check – Büh­nen­all­tag, wie er sich von ande­ren kaum unter­schei­det. Erst durch Uni­for­men und Kos­tü­me ent­steht das unver­wech­sel­ba­re Erschei­nungs­bild des Ensem­bles. Auf der Büh­ne ver­schmel­zen die Ein­zel­per­so­nen zu einem orga­ni­schen kol­lek­ti­ven Gan­zen. Hin­weis: Ab dem 21. Novem­ber 2017 ist das Alexandrow-Ensemble in Polen auf Tour­nee.

God save the Queen

Es ist gute Tra­di­ti­on, dass das Ensem­ble auf Rei­sen ein jedes Kon­zert mit zwei Natio­nal­hym­nen beginnt – der des Gast­lan­des, gefolgt von der eige­nen. So war es auch bei der ers­ten »Lon­don Inva­si­on«, 1956, in der Empress Hall. »Der groß­ar­ti­ge Sol­da­ten­chor sang sich in die Her­zen des bri­ti­schen Publi­kums. Dies war ein voll­stän­di­ger und unblu­ti­ger Sieg der Roten Armee. Und bei all dem waren die Tän­zer die Haupt­at­trak­ti­on, denn sie voll­führ­ten ihre Sprün­ge und Dre­hun­gen gegen alle Geset­ze des Gleich­ge­wichts und der Schwer­kraft.« (Dai­ly Sketch). Bei wei­te­ren UK-Tourneen 1963 und 1989 fol­gen Gast­spie­le in der Lon­do­ner Roy­al Albert Hall, die auch auf Lang­spiel­plat­ten doku­men­tiert wer­den.

Treue Freun­de

»Ich lass mir auch heu­te nicht sagen, wen ich mögen darf und wen nicht!« Wer so zu sei­nen Freun­den steht, gilt als wahr­haft treue See­le und steht zugleich auch zu sich selbst. Trotz poli­ti­scher Wider­stän­de und oppor­tu­nis­ti­schem Anpas­sungs­druck ver­bin­det Karel Gott eine lang­jäh­ri­ge Freund­schaft mit dem Alexandrow-Ensemble. Er ist der ein­zi­ge aus­län­di­sche Künst­ler, der bis­lang die Alexandrow-Medaille ver­lie­hen bekam. Im Jahr 2013, zum 85. Jubi­lä­um in Mos­kau, kam er als musi­ka­li­scher Gra­tu­lant auf die Büh­ne. Wäh­rend sei­ner schwe­ren Erkran­kung wirk­ten die ermun­tern­den Wor­te sei­ner Ensemble-Freunde wie heil­sa­me Medi­zin: »Karel, wir lie­ben dich. Du hast ver­spro­chen bei unse­rem 90. Jubi­lä­um in Mos­kau dabei zu sein. Wer­de gesund! Du schaffst das! Wir sind an dei­ner Sei­te!«

Säbel­tanz in Prag

Im Anschluss an das Gast­spiel wäh­rend der Welt­aus­stel­lung in Paris gab das Alex­an­d­row Ensem­ble ab dem 28. Sep­tem­ber 1937 acht Kon­zer­te in der Sme­ta­na Hal­le in Prag und zwei Mati­nées für tsche­chi­sche Sol­da­ten der Pra­ger Gar­ni­son. Im Rah­men eines gro­ßen Tref­fens suden­ten­deut­scher Anti­fa­schis­ten in Usti nad Labem (Aus­sig) begrüß­te der sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Bür­ger­meis­ter Leo­pold Pölzl die sowje­ti­schen Künst­ler am 1. Okto­ber 1937 in der größ­ten Sport­hal­le der Stadt. Die deutsch­na­tio­na­le Pres­se war außer sich. Mehr als 5.000 Zuschau­er waren begeis­tert. Nach dem Krieg kam das Ensem­ble 1946 wie­der nach Prag. 1948 folg­te eine ers­te Tour­nee durch die Tsche­cho­slo­va­kei. Gast­spiel­rei­sen in die CSSR stan­den fort­an regel­mä­ßig auf dem Pro­gramm. In der Tsche­chi­schen Repu­blik hat das Alex­an­d­row Ensem­ble bis heu­te einen gro­ßen Klang. Zuletzt war es im Som­mer 2017 zu Gast.

Palais des Sports – Paris

Im März und April 1960 gas­tier­te das Alex­an­d­row Ensem­ble im gera­de neu eröff­ne­ten futu­ris­ti­schen Palais des Sports in Paris. Für die Fran­zo­sen ist dies heu­te ein mytho­lo­gi­scher Ort der Musik­ge­schich­te – The Beat­les, Rol­ling Stones, John­ny Hal­ly­day, Pink Floyd, Queen – sie alle hat­ten dort ihren gro­ßen Auf­tritt. 1963/64, 1967, 1974/75 – das Alex­an­d­row Ensem­ble wur­de immer wie­der im Palais des Sports gefei­ert und begeis­ter­te mit Gesang und Tanz. Eini­ge der Kon­zer­te sind auf Schall­plat­ten doku­men­tiert. »Les Choeurs de l’armée Sovié­tique a Paris« wur­de ver­gol­det und gewann in Frank­reich den »Grand Prix Natio­nal du Dis­que« des Jah­res 1961.

Immer für eine Über­ra­schung gut

Das Bal­lett des Alexandrow-Ensembles ist bekannt für Tanz­sze­nen, bei denen man geneigt ist, den Atem anzu­hal­ten. Die Geset­ze der Schwer­kraft schei­nen für die­se Tän­ze­rin­nen und Tän­zer nicht zu gel­ten. Für beson­de­re Über­ra­schungs­mo­men­te sor­gen sie jedoch auch mit Tanz­ein­la­gen, die völ­lig uner­war­tet aus der Rol­le fal­len. Bei ihrem Gast­piel in Tsche­chi­en waren die Zuschau­er kom­plett aus dem Häus­chen, als zum Karel Gott- Klas­si­ker „Lady Car­ne­val“ das Bal­lett mit bun­ten Samba-Kostümen und einer begeis­tern­den Cho­reo­gra­phie die Büh­ne stürm­te – Lebens­freu­de pur!

Will­kom­men in Ber­lin

Ein his­to­ri­sches Film­do­ku­ment aus dem Archiv von Michail Kha­ri­to­nov zeigt das Alex­an­d­row Ensem­ble bei ver­schie­de­nen Gast­spie­le in Ber­lin. Beson­ders anrüh­rend sind die Aus­schnit­te aus dem Jahr 1948. Sie ver­mit­teln einen leben­di­gen Ein­druck von der mit­rei­ßen­den Atmo­sphä­re inmit­ten der Rui­nen auf dem Gen­dar­me­markt. In kur­zen Inter­view­se­quen­zen aus spä­te­ren Jah­ren schil­dert Boris Alex­an­d­row sei­ne per­sön­li­chen Erin­ne­run­gen.

Lie­bes­grü­ße für Mos­kau

Bereits am Anfang ihrer lan­gen Kar­rie­re, steht die jun­ge Frau mit der gewal­ti­gen Stim­me mit dem pro­mi­nen­ten Män­ner­chor auf gro­ßer Büh­ne. Vor 50 Jah­ren, im Som­mer 1967, begibt sich Frank­reichs neu­er Super­star Mireil­le Mathieu auf Tour­nee durch die Sowjet­uni­on. Auf­trit­te mit dem Alex­an­d­row Ensem­ble wer­den zum gemein­sa­men Tri­umph. Schon im Novem­ber des glei­chen Jah­res gibt es ein freu­di­ges Wie­der­se­hen beim Gast­spiel des Cho­res im Palais de Sport in Paris. Mit­ten im kal­ten Krieg lebt die Künst­le­rin ganz offen ihre Lie­be zu dem fer­nen Land, zu sei­nen Men­schen, zu ihrer Kul­tur, ihrer Musik. Mit dem Alex­an­d­row Ensem­ble ist Mireil­le Mathieu durch ein tie­fes künst­le­ri­sches Ver­ständ­nis, durch viel­fäl­ti­ge musi­ka­li­sche Koope­ra­tio­nen und auch durch ganz per­sön­li­che Freund­schaf­ten bis heu­te eng ver­bun­den. Die klei­ne Frau und das gro­ße Ensem­ble sind glei­cher­ma­ßen Welt­bür­ger wie natio­na­le Iko­nen, die, über alle Gren­zen und poli­ti­schen Ver­wer­fun­gen hin­weg, seit Jahr­zehn­ten zuein­an­der ste­hen.


Nemo saltat sobri­us, nisi for­te insa­nit cic.

»Nie­mand tanz­te, es sei denn, er wäre ver­rückt«. Wenn man die spek­ta­ku­lä­ren Bei­trä­ge der Tän­zer und Tän­ze­rin­nen des Alex­an­d­row Ensem­bles bestau­nen darf, scheint die­ses klas­si­sche Zitat mehr als nur Bestä­ti­gung zu fin­den. 1928 mit ledig­lich 2 Tän­zern gegrün­det, wuchs die Trup­pe kon­ti­nu­ier­lich, um dann Ende der 1950er Jah­re auch Frau­en in ihren Rei­hen auf­zu­neh­men. Seit dem sind die Tän­ze­rin­nen und Tän­zer neben Chor und Orches­ter die 3. tra­gen­de Säu­le des Ensem­bles. Sie berei­chern das Pro­gramm nicht nur mit Klas­si­kern, wie dem Matro­sen­tanz, dem Kosacken-Tanz und ande­ren zum stän­di­gen Reper­toire gehö­ren­den Tän­zen, son­dern auch mit aktu­el­len Dar­bie­tun­gen, die als Wert­schät­zung für das jewei­li­ge Gast­ge­ber­land zu ver­ste­hen sind.
Die­ses umfang­rei­che Reper­toire ist des­halb mög­lich, weil man sowohl bei der Aus­wahl der Cho­reo­gra­phen als auch der Tän­ze­rin­nen und Tän­zer auf hoch­pro­fes­sio­nell aus­ge­bil­de­te Künst­ler zurück­grei­fen kann- oft auf direk­tem Wege von der Bal­lett­schu­le des Bolshoi-Theaters. So waren Chef­cho­reo­graph Alex­an­dr Radun­sky und Geor­gi Far­man­yantz einst selbst Tän­zer am Bolshoi, ehe sie dem Ensem­ble ihr gan­zes Wis­sen und Kön­nen zur Ver­fü­gung stell­ten.
Neben der Mög­lich­keit, aus dem Füll­horn der rus­si­schen Folk­lo­re mit­samt ihren Tän­zen schöp­fen zu kön­nen, zu denen u.a. der Kas­a­t­schok gehört, jener legen­dä­re Tanz im 2/4 Takt mit sei­ner Pris­jad­ka, bei der die Tän­zer in der Hocke jeweils ein Bein vor sich gestreckt hal­ten und dann schnell wech­seln und dem legen­dä­ren rus­si­schen Mäd­chen­rei­gen, bei der die Tän­ze­rin­nen wie auf eine Per­len­ket­te gefä­delt über die Büh­ne zu „fah­ren“ schei­nen, kön­nen alle Mit­glie­der des Corps dank ihrer Aus­bil­dung mühe­los Sze­nen aus berühm­ten Opern wie Mus­sorgskis „Boris Godu­n­ov“ und Borodins „Prinz Igor“ tan­zen. Auch Sequen­zen inter­na­tio­na­ler Tän­ze wie Sam­ba und Tän­ze der Roma, sei­ner­zeit durch Chef­cho­reo­gra­phen Usher Khmelnitz­ky ins Reper­toire ein­ge­bracht, wer­den künst­le­risch umge­setzt.

Kalin­ka in New York City

Irving Pros­ky und Her­bert Har­ris grün­de­ten 1939 in New York das Label Stin­son Records. Zu die­ser Zeit fand in der ame­ri­ka­ni­schen Metro­po­le die Inter­na­tio­na­le Welt­aus­stel­lung statt und Stin­son Records schlos­sen mit sowje­ti­schen Ver­tre­tern einen Ver­trag, der ihnen die exklu­si­ven Ver­triebs­rech­te des Alex­an­d­row Ensem­bles für die USA ein­räum­te. Im Jahr 1942 erschien das Album des Red Army Song And Dance Ensem­bles »The Red Army Sings« mit 12 Lie­dern auf 6 Schel­lack­plat­ten. Das Cover zeigt die Musi­ker bei einem Besuch der kämp­fen­den Trup­pe an der Front. Die Sowjet­uni­on war seit einem Jahr im Krieg und mit den USA und Groß­bri­tan­ni­en ein Teil der Anti-Hitler-Koalition.

Hap­py Tog­e­ther!

Der 18. Juni 1994 war ein war­mer Som­mer­tag. Schon am Nach­mit­tag füll­te sich der Lust­gar­ten am Ber­li­ner Dom vor einer gro­ßen Büh­ne, die vor dem Alten Muse­um errich­tet war. Gegen 20 Uhr war der Platz mit Zehn­tau­sen­den dicht gefüllt. Was dann los­brach, hat­te die Stadt noch nicht erlebt. Zehn ver­we­ge­ne Fin­nen, die Fri­su­ren so spitz wie ihre Schu­he, rock­ten los, vor einer Schall­mau­er aus 120 stram­men Offi­zie­ren, die bei jedem Refrain einem wah­ren Orkan anhe­ben lie­ßen. Nie zuvor sah man den Chor der Roten Armee so unge­zwun­gen und fröh­lich in einem so ent­fes­sel­ten Reper­toire schwel­gen. »Hap­py Tog­e­ther«, »Gim­me All Your Lovin« und »Stair­way To Hea­ven« mar­kier­ten auch für das sowje­ti­sche Ensem­ble ein ver­hei­ßungs­vol­len Wan­del in einer Welt ohne Mau­ern und Vor­ur­tei­le. Gemein­sam mit den Lenin­grad Cow­boys hat­ten sie zuvor das größ­te Kon­zert in Finn­land vor 70.000 Besu­chern in Hel­sin­ki gespielt. Aki Kau­rus­mä­ki dreh­te dazu den Kon­zert­film. Gemein­sam gin­gen die Cow­boys mit den Alex­an­d­rows auch ins Stu­dio. »Hap­py Togeh­ter« kon­ser­vier­te den Zau­ber des Augen­blicks, die Zuver­sicht einer Zeit, die heu­te lei­der längst ver­gan­gen scheint.

Leo­nid Kha­ri­to­now 18.9.193319.9.2017

Heute trauern wir um Leonid Kharitonow, den großartigen Bassbariton, der von 1953 bis 1972 zu den prägenden Sängern und Solisten des Alexandrow Ensembles gehörte. Wir hatten die Hoffnung, dass wir ihm in Vorbereitung dieser Ausstellung in Moskau persönlich begegnen könnten, denn Leonid Kharitonow steht mitten in der Geschichte des Alexandrow Ensembles. Damit wird er für immer unvergessen sein. Wir danken Michail Kharitonow herzlich für die Fotos: www.lkharitonov.com

Grand Prix in Paris

1937 traf sich die Welt noch ein­mal fried­lich in Paris, um Visio­nen von Kunst, Tech­nik und moder­nem Leben zu for­mu­lie­ren. 34 Mil­lio­nen Men­schen besuch­ten die Welt­aus­stel­lung rund um den Eif­fel­turm. Am Ufer der Sei­ne stan­den sich zwei monu­men­ta­le Pavil­lons dro­hend gegen­über. Auf dem deut­schen Pavil­lon des Archi­tek­ten Albert Speer thron­te der Reichs­ad­ler auf einem Haken­kreuz. Auf dem sowje­ti­schen Pavil­lon schrit­ten ihm »Der Arbei­ter und die Bäue­rin« der Bild­haue­r­ein Wera Much­i­na furcht­los ent­ge­gen. Im Sep­tem­ber 1937 gas­tier­te das Alex­an­d­row Ensem­ble im Rah­men­pro­gramm der Welt­aus­stel­lung erst­mals in Paris. Unter der Lei­tung von Alex­an­der Alex­an­d­row wur­de das Gast­spiel ein tri­um­pha­ler Erfolg, der mit dem Grand Prix der Welt­aus­stel­lung gewür­digt wur­de. Ein Jahr spä­ter war das Ensem­ble ein wei­te­res Mal in Paris. Dabei ent­stan­den auch Ton­auf­nah­men, die bis heu­te erhal­ten geblie­ben sind.

Im schöns­ten Wie­sen­grun­de

Som­mer in der zer­stör­ten Stadt. Tau­sen­de Ber­li­ner ver­sam­meln sich auf dem Gen­dar­men­markt und vie­le erklim­men zur bes­se­ren Sicht die umste­hen­den Rui­nen. Auf gro­ßer Büh­ne spielt das Alex­an­d­row Ensem­ble – Män­ner in Uni­form – Chor und Orches­ter der Roten Armee. Am 18. August 1948 sin­gen Sie­ger für Besieg­te. Die Befrei­er sind nun Besat­zer. Ber­lin ist längst eine geteil­te Stadt. Vier Sek­to­ren mar­kie­ren das poli­ti­sche Welt­ge­sche­hen. Das Kon­zert vor dem aus­ge­brann­ten Schau­spiel­haus diri­giert Boris Alex­an­d­row, Sohn und Nach­fol­ger des Ensemble-Gründers. Als Wik­tor Niki­tin »Kalin­ka« singt, sind alle aus dem Häus­chen. Als er auf deutsch »Im schöns­ten Wie­sen­grun­de« anstimmt, ver­ste­hen die Ber­li­ner die groß­her­zi­ge Ges­te – Sie­ger und Besieg­te müs­sen nicht auf ewig Fein­de sein.