Hap­py Tog­e­ther!

Der 18. Juni 1994 war ein war­mer Som­mer­tag. Schon am Nach­mit­tag füll­te sich der Lust­gar­ten am Ber­li­ner Dom vor einer gro­ßen Büh­ne, die vor dem Alten Muse­um errich­tet war. Gegen 20 Uhr war der Platz mit Zehn­tau­sen­den dicht gefüllt. Was dann los­brach, hat­te die Stadt noch nicht erlebt. Zehn ver­we­ge­ne Fin­nen, die Fri­su­ren so spitz wie ihre Schu­he, rock­ten los, vor einer Schall­mau­er aus 120 stram­men Offi­zie­ren, die bei jedem Refrain einem wah­ren Orkan anhe­ben lie­ßen. Nie zuvor sah man den Chor der Roten Armee so unge­zwun­gen und fröh­lich in einem so ent­fes­sel­ten Reper­toire schwel­gen. »Hap­py Tog­e­ther«, »Gim­me All Your Lovin« und »Stair­way To Hea­ven« mar­kier­ten auch für das sowje­ti­sche Ensem­ble ein ver­hei­ßungs­vol­len Wan­del in einer Welt ohne Mau­ern und Vor­ur­tei­le. Gemein­sam mit den Lenin­grad Cow­boys hat­ten sie zuvor das größ­te Kon­zert in Finn­land vor 70.000 Besu­chern in Hel­sin­ki gespielt. Aki Kau­rus­mä­ki dreh­te dazu den Kon­zert­film. Gemein­sam gin­gen die Cow­boys mit den Alex­an­d­rows auch ins Stu­dio. »Hap­py Togeh­ter« kon­ser­vier­te den Zau­ber des Augen­blicks, die Zuver­sicht einer Zeit, die heu­te lei­der längst ver­gan­gen scheint.

Leo­nid Kha­ri­to­now 18.9.193319.9.2017

Heute trauern wir um Leonid Kharitonow, den großartigen Bassbariton, der von 1953 bis 1972 zu den prägenden Sängern und Solisten des Alexandrow Ensembles gehörte. Wir hatten die Hoffnung, dass wir ihm in Vorbereitung dieser Ausstellung in Moskau persönlich begegnen könnten, denn Leonid Kharitonow steht mitten in der Geschichte des Alexandrow Ensembles. Damit wird er für immer unvergessen sein. Wir danken Michail Kharitonow herzlich für die Fotos: www.lkharitonov.com

Grand Prix in Paris

1937 traf sich die Welt noch ein­mal fried­lich in Paris, um Visio­nen von Kunst, Tech­nik und moder­nem Leben zu for­mu­lie­ren. 34 Mil­lio­nen Men­schen besuch­ten die Welt­aus­stel­lung rund um den Eif­fel­turm. Am Ufer der Sei­ne stan­den sich zwei monu­men­ta­le Pavil­lons dro­hend gegen­über. Auf dem deut­schen Pavil­lon des Archi­tek­ten Albert Speer thron­te der Reichs­ad­ler auf einem Haken­kreuz. Auf dem sowje­ti­schen Pavil­lon schrit­ten ihm »Der Arbei­ter und die Bäue­rin« der Bild­haue­r­ein Wera Much­i­na furcht­los ent­ge­gen. Im Sep­tem­ber 1937 gas­tier­te das Alex­an­d­row Ensem­ble im Rah­men­pro­gramm der Welt­aus­stel­lung erst­mals in Paris. Unter der Lei­tung von Alex­an­der Alex­an­d­row wur­de das Gast­spiel ein tri­um­pha­ler Erfolg, der mit dem Grand Prix der Welt­aus­stel­lung gewür­digt wur­de. Ein Jahr spä­ter war das Ensem­ble ein wei­te­res Mal in Paris. Dabei ent­stan­den auch Ton­auf­nah­men, die bis heu­te erhal­ten geblie­ben sind.

Im schöns­ten Wie­sen­grun­de

Som­mer in der zer­stör­ten Stadt. Tau­sen­de Ber­li­ner ver­sam­meln sich auf dem Gen­dar­men­markt und vie­le erklim­men zur bes­se­ren Sicht die umste­hen­den Rui­nen. Auf gro­ßer Büh­ne spielt das Alex­an­d­row Ensem­ble – Män­ner in Uni­form – Chor und Orches­ter der Roten Armee. Am 18. August 1948 sin­gen Sie­ger für Besieg­te. Die Befrei­er sind nun Besat­zer. Ber­lin ist längst eine geteil­te Stadt. Vier Sek­to­ren mar­kie­ren das poli­ti­sche Welt­ge­sche­hen. Das Kon­zert vor dem aus­ge­brann­ten Schau­spiel­haus diri­giert Boris Alex­an­d­row, Sohn und Nach­fol­ger des Ensemble-Gründers. Als Wik­tor Niki­tin »Kalin­ka« singt, sind alle aus dem Häus­chen. Als er auf deutsch »Im schöns­ten Wie­sen­grun­de« anstimmt, ver­ste­hen die Ber­li­ner die groß­her­zi­ge Ges­te – Sie­ger und Besieg­te müs­sen nicht auf ewig Fein­de sein.